Montag, 24. August 2015

Fitness: Halbmarathon Kärnten Läuft

Zwar wird dieser Post nicht an dem Tag online gehen, an dem ich ihn getippt habe und somit gelaufen bin, aber ich schreibe lieber schon  mal vor, damit ich die Eindrücke auch richtig weiter geben kann.

Es war also mein erster Halbmarathon und mein zweiter Wettlauf. Na gut, man kann es nicht als Wettrennnen bezeichne denn von einem Stockerlplatz bin ich so weit entfernt wie ein Nashorn vom Schlittschuhlaufen. Aber nichtsdestotrotz habe ich mich ordentlich vorbereitet (zu meiner Vorbereitung und der Ernährung in der Woche vor dem Marathon wird noch ein Extra Post folgen!), die letzten Tage so viele Kohlenhydrate gegessen, dass ich freiwillig ab Montag eine Low Carb Diät machen würde (würde, denn ich mache sie doch nicht, ich bin doch nicht verrückt und verhau mir den Stoffwechsel!) und habe den Tag davor so viel geschlafen, dass ich mich fast wundgelegen habe (na gut, ich übertreibe). Alles in allem, ich war top fit und bereit, persönliche Rekorde zu knacken. 

Ich hatte alles vorbereitet, die perfekte Songliste auf Spotify erstellt, ein schönes Outfit herausgelegt und sogar meine wunderschönen schwarzen Nikes an. Dass so einiges schief laufen würde konnte ich nicht ahnen. Dass aber wiederum einiges besser werden würde, das konnte ich ja auch nicht wissen. Alles in Allem bin ich aber stolz und motiviert, nächstes Jahr auch wieder teilzunehmen. Wenn ich nicht davor noch bei dem Vienna City Marathon starte, ob nun Marathon oder nur den halben ist dann eh egal ;)
Ich wachte am Sonntag um 05.50 auf. Natürlich bin ich da nicht aufgestanden, sondern hab, typisch ich, mich noch 40 Minuten im Bett rumgewalzt. Es war ja auch kalt. Aber besser kalt als zu heiß. Also habe ich mich irgendwann unter die Dusche gestellt, einen Liter Tee getrunken und Porridge gemampft. Ich weiß, viele empfehlen Weißbrot mit Marmelade oder etwas ähnliches. Ich wusste aber, ich mag das nicht. Ich hab die letzten Tage so viel Marmelade gegessen, dass sie mir beim Kopf raushängt. Und Sonntags, wenn ich meine langen Läufe mache, esse ich doch auch meist Porridge. Also doch auch heute. Gesagt, gegessen.

Um halb 8 hat mich dann mein Vater zum Bahnhof gebracht, von wo es mit dem Zug und vielen weiteren Läufern nach Velden/Vrba gehen sollte. Während wir im Zug saßen und alle mehr oder weniger nervös waren, sahen wir schon die ersten vom Viertelmarathon. Dieser hatte nämlich schon um 08.00 gestartet. Jedoch aus Pörtschach/Porece. 10 km vor Velden/Vrba. 
So langsam wurde mir aber mulmig. Was tat ich mir da bloß an? Hatte ich mich übernommen? Würde ich die 21km wohl schaffen? Zu der leichten Übelkeit gesellte sich das Gefühl, dass man vielleicht doch zu wenig trainiert hatte. Und dazu kam, dass ich von Sonntag bis Dienstag kaum was gegessen hatte, da ich einen Virus hatte. Würden meine Kräfte reichen?

In Velden/Vrba angelangt folgte ich dem Trott. Noch schnell auf die Toilette im Casineum, die Sporttüte abgeben und dann sich an den Start stellen. Währen ich die "Motivation" der Tänzerinnen in meinen Ohren hörte, wurde ich genervt. Na gut, ich bin schnell genervt, das gebe ich zu. Aber mir wurde es da einfach zu viel. Die tanzten doch echt wie die Duracell-Häschen auf zu viel Kaffee, gepaart mit Drogen während einem epileptischen Anfall. Wen die motivierten? Mich nicht. 
Dazu kam noch das Warten auf den Startschuss... Meine Laune sank.

1.-5km
Bis es dann endlich losging. Die Musik passte und ich kam schnell in mein Tempo. Ich hatte mir zuvor ja einen Playlist auf Spotify zusammen gestellt und war richtig froh über die Zusammenstellung. Da klopfte ich mir mal auf die Schulter. Das tolle daran war eindeutig auch, dass ich zur Abwechslung einmal nicht so oft überholt wurde sondern selber zu denen zählte, die überholten. Na gut, ich hatte mich auch eher "hinten" eingeordnet, aber das war dann wohl motivierend. Es gibt nichts schlimmeres als nur zu sehen, wie man überholt wird.
Die ersten Kilometer verliefen schnell und ich knackte auch meinen 5km Rekord, worüber ich dann sehr, sehr stolz war. Ich wusste, wie schnell ich circa laufen musste, um die Zeit zu erreichen, die ich wollte. Dass ich viel schneller unterwegs war (über 1 Minute in den ersten Kilometern) pushte ungemein.
Bei der ersten Labstelle gab es ob meiner großen Motivation nur Wasser.

5-10km
Die nächsten 5km waren wohl die fiesesten. Meine Musik war zwar noch immer motivieren und auch die Pace passte. Aber mein rechter Fuß schmerzte richtig ungemein. Ich hatte richtig das Gefühl, als würde mein Fuß in viel zu engen und kleinen Schuhen stecken. Ich weiß nicht wieso, aber es tat weh. Zum Glück verging der Schmerz dann doch irgendwann, aber lustig war es keineswegs. Zwischenzeitlich tat auch meine Hüfte weh. Ich hatte keine Ahnung wieso, aber lustig war es die 5 Kilometer nicht.
Das lustige war, irgendwann überholte ich eine ehemalige Klassenkameradin. Ich wollte sie schon grüßen, aber irgendwas hielt mich dann doch davon ab. Vielleicht die Tatsache, dass sie 8 Jahre mich als blöde Tussi beschimpft hatte? Keine Ahnung, aber ich vergaß dann doch meine Manieren und blieb unfreundlich und lief vorbei.

10-15km
Der Schmerz verging zum Glück dann doch schnell, so dass ich mich wieder konzentrieren konnte. Da die Strecke direkt am Wörthersee vorbeiführte, genoss ich das Panorama und machte mir keine Sorgen mehr über die Strecke. Ich wusste, ich würde es durch das Ziel schaffen! Mit dieser Gewissheit läuft es sich viel leichter. 
An der Labstelle nahm ich dann auch ein Iosgetränk zu mir. An dieser Stelle möchte ich mich bei all den freiwilligen Helfern bedanken. Das Anfeuern und die Getränke halfen mir wirklich sehr. 
Der Horror kam dann ein paar Meter nach dem 15km.

15km-20km
Das sorgfältige Zusammenstellen der Playlist, es war umsonst. Mein Handy gab den Geist auf. 0% Akku. Ich dachte eine Sekunde darüber nach, aufzugeben. Echt jetzt, ich laufe IMMER mit Musik. Wie sollte ich da 6km ohne Musik schaffen? Zusammenbeißen. Ich tat dann das, was ich immer tat, wenn mir langweilig ist: Ich sang im Kopf Lieder. Zum Glück hatte ich nur eine Melodie im Kopf. Es kam also nicht dazu, dass ich slowenische Kirchenlieder singen musste, wie ich das für gewöhnlich tue, wenn mir kein Lied mehr einfällt.
In dieser Zeit liefen wir auch durch Krumpendorf / Kriva Vrba wo zur zeit ein Zeltlager für Flüchtlinge steht. Plötzlich war mir schlecht. Menschen, die sich auf der Flucht befinden, müssen bei Regen und Hitze in Zelten schlafen während wir hier zum Spaß einen Halbmarathon laufen. Ich wurde traurig. Wir zählen zu den wenigen Glücklichen, die in Familien geboren wurden, wo Hunger und Angst nicht vorhanden sind. In Gebiete geboren wurde, wo kein Krieg oder Verfolgung herrscht. Und wie oft sind wir uns dessen bewusst?! Viel, viel zu selten...

Zwischenzeitlich rutschte ich ein bisschen zurück. Oder die ehemalige Klassenkameradin holte auf. Keine Ahnung was vorlag, aber in Gedanken sagte ich mir dann, dass ich mich NICHT überholen lasse. Zumindest nicht von ihr. Das war ich mir selber schuldig. Auch wenn ich eine blöde Tussi bin, laufen kann ich. Also biss ich die zwei, drei Mal, wo es knapp wurde, noch mehr die Zähne zusammen. Meine Eltern sollten dann ob dieser Geschichte stark lachen. 
20km-21km
Als ich dann das 20km Zeichen sah, wusste ich, bald bin ich fertig. Den letzten Kilometer würde ich auch noch schaffen. So kurz vor dem Ziel gibt man nicht auf. Und wenn ich mir etwas geschworen habe (das dann aber auch erst während dem Laufen, aber immerhin) dann das, dass ich NICHT gehen würde. Zwar ging ich beim Wasser trinken bei den Labstellen, aber das zählt nicht. Ich genoss also noch den letzten Kilometer, zuerst beim See entlang und dann die letzten paar Hundert Meter durch die Menschenmenge, die einen richtig anfeuerte. 
Als ich dann auf dem Steg durch das Ziel lief war ich richtig stolz auf mich. Ich hatte es geschafft. Die Zeit war besser, als ich es je gedacht habe und ich hatte mich kein einziges Mal von der Kondition her schlecht oder schwach gefühlt. Ich hatte keine Probleme mit dem Atmen gehabt (meine größte Sorge übrigens!) und dass ich ganze 6 km ohne Musik gelaufen war, das fand ich dann auch richtig gut!

Das einzige Problem lag in einer organisatorischen Tatsache. Wie würde ich jetzt bloß meine Eltern finden, die mich dann heimfahren würden? Ohne Handy doch eher blöd. Nachdem ich eine Runde über das Gelände gedreht hatte und niemand Bekanntes wieder entdeckt hatte entschloss ich mich, eine Mitarbeitern vom Hilfswerk zu bitten, ob ich nicht kurz meine Mutter anrufen könnte. Zum Glück gibt es nette Menschen, denn so fand ich dann meine Eltern auch und konnte ihnen davon erzählen, was mich die letzten Kilometer motivierte, schneller zu laufen ;)

Kommentare:

  1. Du kannst soooo mega stolz auf dich sein! Ich ziehe den Hut vor dir und deiner Leistung und bin sehr auf den "Vorbereitungs-Post" gespannt! Liebe Grüße Jenny

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  2. Klingt toll, ich habe tatsächlich noch nie an so einem Lauf teilgenommen :)

    Alles Liebe,
    Fee von Floral Fascination

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  3. Sehr cooler Blogpost! Als wäre man dabei gewesen :)
    Ich gehe jetzt auch jeden 2. Tag laufen. Vielleicht schaffe ich das auch mal.

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  4. Ein toller Bericht, Svetlana. Was hattest du denn für Musik dabei?

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  5. Hee du!
    Ich gratuliere dir wirklich zu seiner riesen Leistung! Echt super! Richtig, richtig klasse.
    Wirklich. Hut ab. Du kannst stolz auf dich sein.
    LG Jasi
    www.marmormaedchen.blogspot.com

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  6. Wenn mein Akku leer wäre, könnte ich niemanden anrufen; ich kann ja nicht mal meine eigene Handynummer D: :D
    Toller Bericht; war sehr spannend zu lesen...

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  7. Super toller Bericht! Vor allem 6 km ohne Musik ist echt happig - bin sehr stolz auf dich wie du das gemeistert hast :)

    Liebste Grüße, Joana
    Mach doch bei meinem aktuellen Giveaway auf TheBlondeLion mit!

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  8. Nicht schlecht ! Also ich bin ja auch ziemlich Sportmotiviert, aber ich glaube, dass würde ich nicht schaffen :-D
    momenteinblicke.blogspot.de

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  9. Wow herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!! Einen Halbmarathon zu laufen steht ziemlich weit oben auf meiner "Bucket-List", ich muss dafür aber noch eine Weile trainieren. Respekt!
    Liebe Grüße Kristina
    TheKontemporary

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  10. Wow, Herzlichen Glückwunsch. Ich würde so einen Marathon ja nichtmal ansatzweise überstehen, und nach 500 Metern schon keuchend und hechelnd zusammenbrechen :-D.

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