Mittwoch, 23. September 2015

Law is in the air - Wieso, wo warum?

Der 1. Oktober naht und meine Vorfreude steigt. Denn das Semester wird anders. Nicht nur, dass es hoffentlich dem Ende zugeht. Nein, ich beginne auch einen Assistenten-Job an der Universität Wien, näher gesagt am Institut für Finanzrecht. Die, die mir auf Instagram folgen werden meine Liebe zu Steuerrecht mitbekommen habe und ich bin so froh, dass ich die Stelle bekommen habe <3

Aber wieso habe ich überhaupt mit Jus angefangen? Wieso in Wien? Wie war die erste Zeit? Wie viele Nervenzusammenbrüche hatte ich schon? Wie oft habe ich schon in der Bibliothek geweint? Und wieso zum Teufel schmeiße ich das Studium nicht einfach?!

Diesen Fragen und vielen anderen möchten ich und Simone uns stellen. Immerhin studieren wir beide Jus, zwar in anderen Abschnitten aber hei, wir beide sind Leidensschwestern ;)

Wieso ich angefangen habe? Gute Frage. Ich wollte schon immer Anwältin werden, nicht ganz unschuldig sind Serien wie "Richterin Barbara Salesch" und "Richter Alexander Hold", welche ich als Kind gerne geschaut habe. Ich weiß, der Alltag eines Juristen sieht leider nicht so aus, dass man täglich geniale Verhandlungen hat, wo sich herausstellt, dass die drogensüchtige Angeklagte, die schwanger ist vom Hauptzeugen, eigentlich unschuldig ist und dabei ihr eifersüchtiger Ex, der der Halbbruder ihrer Cousine 2. Grades ist, der Täter ist. Nein leider, da muss ich euch enttäuschen. 

Dazwischen schwenkte ich zu Publizistik, Schauspiel, Ernährungswissenschaften, Modedesign, Medizin, Tiermedizin und was weiß der Teufel noch. Aber mit 16 stand fest, ich mag BWL studieren. Bis ich die Jus-Unterlagen des Cousins einer meiner besten Freundinnen sah und las und feststand, das ist das Richtige für mich. 

Diese Entscheidung habe ich inzwischen nicht ein einziges Mal bereut. Na gut, eigentlich schon. Aber eher in Situationen, in denen man sich die x-te Tasse Kaffee holt und durchs Fenster in einer kurzen Lernpause blickt und feststellt, dass die Straßenlichter schon an sind. Denn es ist irgendwie schon Nacht. Oder so. Ja, so sieht leider das Leben eines Jusstudenten aus. Man lernt manchmal bis in die Nacht. Man heult weswegen es sich anbietet immer eine Packung Taschentücher mitzuhaben. Und wasserfestes Make Up. Ja, ich habe schon des öfteren öffentlich geweint. Ist normal. Man muss damit halt umgehen ;)

Aber es lohnt sich. Denn nach jeder Prüfung schmeckt das Glas Bier verdient und der Schlaf, den man am Tag nach der Prüfung aufholt einfach wohlverdient. Und man stellt Wochen nach der Prüfung fest, dass doch was hängen geblieben ist und man nur vereinzelt an Lern-Bulimie leidet. Diese tritt bei mir übrigens bei Fächern auf wo Worte wie "Arbeitskampf" "Kollektivvertrag" und "Betriebsrat" sehr, sehr oft vorkommen. Ich habe mir beim Lernen von Arbeits- und Sozialrecht nicht nur einmal die Herrschaft von Margaret "Maggie" Thatcher auch in Österreich herbeigesehnt, nur mal so am Rande formuliert ;)

Aber man ist nicht der Einzige, der oft verzweifelt. Besonders in den ersten Wochen und im 1. Abschnitt will man schnell alles hinschmeißen,- und mehr als die Hälfte tut das auch. Man wird von Professoren, so hatte ich zumindest den Eindruck, auch nicht gerade ernst genommen in dieser Zeit. Ein Professor eröffnete einmal eine Stunde mit den Worten "Sehen Sie sich Ihren Nachbarn an, er wird das Jusstudium im ersten Abschnitt schmeißen". Aber man muss die Zähne durchbeißen und sich seinen Weg durch Waltzer, Kant, Justinian und Ulpian finden bis man zur Gewährleistung (GWL), Schadenersatz (an dieser Stelle eine Warnung: Sagt nie, und ich meine NIE SchadenSersatz zu einem österreichischen Juristen außer ich wollt einen schmerzhaften Tod erleben. In Österreich ist es der Schadenersatz und das Schmerzengeld. Wir samma jo net bei die Deitschen!), Fehlerkalkül, Grundprinziepien oder auch zum von mir verhassten Betriebsrat kommt. Ja, man muss seinen Weg finden. Aber es wird sich lohnen!
In Österreich gibt es fünf juristische Fakultäten: von Westen nach Osten sind dies Innsbruck, Salzburg, Linz, Wien, Graz. Natürlich nimmt jede Fakultät davon den Titel "Beste Jus-Uni Österreichs" in Anspruch. Aber Hand aufs Herz: Aus Wien kommen die angesehensten Professoren (Welser, Doralt, Mayer oder von den Jüngeren Spitzer oder Perner). Man kann dies natürlich nur als einen weiteren Indiz für die Qualität des Juridicums und der WU (wo man Wirtschaftsrecht studieren kann, der Master berechtigt einem dann zur Ausbildung der typischen juristischen Berufe). 
In Wien ist das Studium unterteilt in drei Abschnitte:
-im 1. Abschnitt bekommt man einen guten Überblick über das juristische Allerlei und die Rechtsgeschichte
-der 2. Abschnitt widmet sich dem judiziellen Teil, alles, was mit Zivilrecht zu tun hat kommt hier vor
- im 3. Abschnitt widmet man sich den staatswissenschaftlichen Fächern wie Verfassung, Verwaltung oder Steuerrecht
Auch unsere Fakultätsvertretung hat eine (wenn auch nicht moderne!) Seite wo ihr die wichtigsten Informationen bekommt. Ansonsten ist auch die Hauptseite des Juridicums empfehlenswert!
Man schließt das Studium mit dem Titel des Magisters ab. Anstatt einer Magisterarbeit verfasst man in Wien zwei Seminararbeiten. Meine erste habe ich in Steuerrecht geschrieben und sie hatte den Titel "Verlustvortrag, Vorgruppenverluste und offene 1/7-Teilwertabschreibungen bei Umgründungen in der Unternehmensgruppe". Eh alles klar, oder? ;)

Wenn ihr also nach dem Post noch immer Lust auf das Studium habt, lasst euch von mir gesagt sein, es zahlt sich aus. Natürlich weint man, natürlich wird man Schuko-Fressanfälle haben. Natürlich wird man alles und jeden verfluchen. Und ich kann euch versichern, wenn ihr eine negative Note bekommt, dann heult ihr noch mehr. Aber der Moment, wenn man eine Prüfung schafft, der macht alles wett. Und auch wenn ihr dann Lern-Bulimie habt, irgendwann hat auch das Jusstudium ein Ende und ich persönlich fiebere dem Moment der Sponsion richtig entgegen. Bis dahin werde ich aber wahrscheinlich noch ein paar Weinkrämpfe haben und vermutlich auch alles und jeden verfluchen wollten. Aber ich weiß, dass es sich auszahlen wird ;)

Kommentare:

  1. Hut ab und viel Erfolg. LG

    http://featheranddress.com

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  2. cooler Beitrag. Ich studiere auch Jura und wie du schon sagst, kommt man mit den Nervenzusammenbrüchen irgendwann klar.

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  3. Oh, wie habe ich diesen Beitrag gerade mit einem Schmunzeln geradezu "eingesaugt"! :D Es ist so lustig zu lesen, wie andere über ihre Erfahrungen berichten! Ein Foto von unseren Starbucks Kaffees hätte ich auch noch reinschmuggeln können :P (Lernmotivation oder so^^)

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  4. Toller Post :) Mir geht es mit meinem Studium ganz ähnlich - eine kleine Hassliebe, aber bereut habe ich es nie. Trotz den von dir beschriebenen Heulkrämpfen in der Bib und nächtlichen Essanfällen :D

    Alles Liebe,
    Fee von Floral Fascination

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  5. Schön, dass du das perfekte Studium für dich gefunden hast. Mein Freund wird ja auch ein Anwalt. Der muss auch immer soooo viel lerne.

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  6. Liebe Svetlana, was auch immer Du am Ende machen wirst: Du wirst mit allem erfolgreich sein - denn Du hast nicht nur Biss sondern bist auch sehr intelligent :) Eine gute Anwältin wärst Du sowieso <3 Alles Gute!
    xx from Bavaria/Germany, Rena
    www.dressedwithsoul.com

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  7. Das hört sich doch auf jeden Fall super an :) Ich freue mich sehr, dass du selbst so positiv gestimmt bist & dich auf die bevorstehende Zeit freust. Ich finde es immer super spannend, wenn ich etwas im Leben ändert und man auf einmal ganz andere Sachen macht und etwas neues kennenlernt :)

    Liebe Grüße :)
    http://www.measlychocolate.de

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  8. Ein sehr toller, unterhaltsamer aber auch ehrlicher Text - an merkt dir richtig an, das dieses Studium das richtige für dich ist!

    Hier geht's zu meinem Blog – Über neue Leser würde ich mich sehr freuen!

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