Sonntag, 29. Juli 2018

Ein Badetag und Produkthaftung

Die Temperaturen zur Zeit laden ja quasi ein, dass man seine sieben Zwetschgen packt und den Tag am See, Strand oder im Schwimmbad verbringt. Und glaubt mir, ich liebe das zu tun. Ich packe dann zwar immer viel zu viel ein, aber lieber zu viel als zu wenig, oder? Ich finde, bei Temperaturen jenseits der 30 MUSS es eine kleine Abkühlmöglichkeit geben und da eignet sich Seen perfekt. Zum Glück sind wir in Kärnten mit sehr vielen gesegnet, allein in meiner Nähe gibt es mehr als fünf schöne, darunter auch den sehr bekannten Wörther See. Übrigens, sollte es euch an den Wörther See verschlagen, dann kann ich euch das Südufer empfehlen. Nicht so viele Touristen und trotzdem wunderschön Mein liebster Ort ist übrigens das Strandbad Maiernigg :) 

Aber was kommt eigentlich in meine Strandtasche, wenn es länger an den See geht? Einen Bikini darf man natürlich keineswegs vergessen. Während manche in jeder Saison sich einen neuen zulegen und immer mit der aktuellen Mode gehen, besitze ich gefühlt tausend verschiedene, aber eigentlich solche, die immer gehen: Entweder Hippie Muster oder einfärbig. Langweilig? Nein, nicht unbedingt ;) Welche ich auch ganz toll finde (aber noch keine besitze, das ist ein bisschen verdächtig) sind Bikinis im maritimen Stil. Aber na gut, was nicht ist, kann ja noch werden. 



Zur Unterhaltung nehme ich gerne Kartenspiele (grad sehr angesagt ist Phase 10!), Bücher oder auch Filme mit, die dann auf Amazon Prime oder Netflix heruntergeladen. Letztere sind auch super, wenn man mit Kindern unterwegs ist und diese mal quängelig sind und keine Lust auf Karten haben. Wenn ich mit meiner Nichte baden gehen, spielen wir meistens lieber Karten, aber ein paar Minuten vom Film sind auch nicht falsch. UND was nicht fehlen sollte ist eine coole Matratze. Im Donut Stil, als Melone oder Pizza, egal. Darauf chillt es sich noch viel besser, oder?

Was ich aber IMMER mithabe und mit was ich bestimmt alle, die mit mir baden gehen nerve, ist Sonnenschutz. Ich habe, wie manch wer weiß, mit Hautproblemen zu kämpfen, ob dies nun Akne im Gesicht oder Neurodermitis bei Kälte ist. Dazu kommt, dass es bereits Hautkrebs in meiner Familie gab, weshalb ich sehr darauf bedacht bin, immer viel Sonnenschutz aufzutragen und lieber zu einem höheren greife. Ich werde auch mit Sonnenschutz braun, deswegen ist es mir lieber, mein Sonnenschutz hat einen hohen Wert. Und ich creme mich auch immer brav nach jedem Schwimmen nach und auch sonst regelmäßig. Das ist mir einfach richtig wichtig und ich habe das in der Vergangenheit wohl zu wenig bedacht, aber heute, gscheiter und weißer, ist es mir umso wichtiger. Und dann bin ich auch so eine Übermutter und creme alle um mich herum ein, dem Hautkrebs keine Chance oder so.

Aber wie ist das eigentlich, wenn man eine Sonnenschutzcreme kauft, die keine Wirkung hat oder, was ja natürlich auch sein kann, die einen Giftstoff enthält? Kann ich dann Schadenersatz verlangen? Und ja, es heißt Schadenersatz ohne S. Eines der ersten Dinge, die man im Jusstudium in Österreich lernt: Schadenersatz und Schmerzengeld, nicht SchadenSersatz oder dergleichen. Als Jurist reagiert man dann allergisch auf dieses "S" ;)

But you get the point: Was, wenn meine Sonnencreme keinen Schutz hat und ich dadurch entweder Krebs bekomme oder eine allergische Reaktion darauf? Für Schadenersatz nach dem ABGB (das heilige ABGB) bedarf es immer vier Voraussetzungen: des Schadens (Krebs), der Kausalität (ist das Verhalten, das gesetzt wurde, wirklich verantwortlich für den Schaden), der Rechtswidrigkeit und des Verschuldens (Vorsatz oder Fahrlässigkeit). Nehmen wir an, jemand hat Hautkrebs bekommen. Bei Krebs wird es schwierig sein, zu beweisen, dass dieser genau wegen des Gebrauches der nichtwirksamen Sonnencreme hervorgerufen wurde. Denn, man verbessere mich, es gibt glaube ich für Krebs sehr verschiedene Reaktionen und so viel ich weiß, gibt es sogar bei den Tschernobyl Opfern verschiedene Theorien bzw entgegengesetzte Meinungen, dass der vermehrt auftretende Krebs dort nicht von der radioaktiven Belastung, welcher die Bevölkerung ausgesetzt war, kommt. Also wir sehen, bei Erkrankungen wie Krebs wird es schwierig sein zu beweisen, dass die Sonnencreme schuld ist.

Aber wie sieht das aus, wenn ich eine Sonnencreme gebrauche, die bei mir persönlich einen ganz ganz schlimmen Hautausschlag hervorruft (Fun Fact: been there, done that, nur bei mir war es ein Deo). Bei einem Hautausschlag oder ähnlichem haben wir drei Problemfelder, welche ich gerne erörtern würde.
1. Ist das Produkt defekt oder ist es nur eine Allergie meinerseits? Ich nehme da gerne meine Deogeschichte. Ich habe einmal ein Deo benutzt, welches bei mir einen ganz fürchterlichen Ausschlag hervorrief, der ärztlich behandelt werden musste. Ja, das Produkt war schuld. Aber gleichzeitig auch eine persönliche Konstellation meinerseits, denn ich hatte die Allergie. Das Produkt war nicht defekt oder allgemein schädlich, sondern eben bei mir schädlich WEIL ich eine Allergie darauf hatte. Also ist die Sonnencreme an sich nicht schädlich oder "defekt", dann bekomme ich keinen Schadenersatz, kann ich noch so viele Ausschläge haben (anderes Beispiel wäre Milch und Laktoseintoleranz: der Laktoseintolerante kann nicht schon allein deshalb vom Milchbauer Schmerzengeld bekommen weil er allergisch auf dessen Milch reagiert). 

2. Ist das Produkt tatsächlich defekt, sagen wir, es hat einen Stoff in sich, von dem man weiß, dass er hautschädigend ist, haben wir zwei Problemfelder. Wenn die gesamten Sonnencremen aus einer bestimmten Zeit "defekt sind" und, sagen wir, der Hersteller fahrlässig war, sprich durch genauere Kontrollen hätte er eine Mangelhaftigkeit des Produktes verhindern können, dann können wir sagen, ja Schmerzengeld könnte möglich sein (aber jetzt wirds kompliziert, für alle Juristen: Wir müssten dann, da wird das Produkt ja wahrscheinlich nicht vom Hersteller gekauft haben, einen Vertrag mit Schutzwirkungen zugunsten Dritter konstruieren, damit man als Konsument au den Hersteller greifen kann. Ist in der Theorie relativ spannend, vor allem wenn das zu einer Prüfung kommt, in der Praxis relativ selten). Bei Ausreißern, sprich bei Produkten, die als Einzelfall von der korrekt hergestellten Norm abweichen, gibt es eine solche Haftung nicht.

3. Aber wie jetzt? Sagen wir, mein Produkt ist fehlerhaft, der Restbestand des Produktes (also alle Produkte, die zur gleichen Zeit produziert wurden) nicht und dem Hersteller unterlief kein Fehler. Kann ich denn dann überhaupt auf den Hersteller greifen? Ja. Der europäische Gesetzgeber hatte einst die tolle Idee, dass das bestehen Schadenersatzrecht eine Lücke hat und erließ eine Richtlinie, die in weiterer Folge das Produkthaftungsgesetz zur Folge hatte. Zum Glück. Denn das Produkthaftungsgesetz, oder kurz PHG, eröffnet eine verschuldensunabhängige Haftung (also brauchen wir weder Fahrlässigkeit noch Vorsatz) und sie gilt auch bei Ausreißern, also wenn nur mein Produkt defekt ist. Es gibt natürlich Einschränkungen: Es muss sich um eine bewegliche körperliche Sache handeln (was eine Sonnencreme ja ist) und er wirst nur für Personen- und Sachschäden gehaftet, die nicht am Produkt entstanden sind. Übrigens, fehlerhaft ist ein Produkt dann, wenn es nicht die Sicherheit bietet, die man unter Berücksichtigung aller Umstände zu erwarten berechtigt ist. Also solltet ihr einen fiesen Hautausschlag WEGEN eurer Sonnencreme bekommen und ihr reagiert nicht allergisch, dann preist die EU und das PHG, denn so könnt ihr unter Umständen Schmerzengeld bekommen. 

Auch wenn ich jetzt mit potenziellen Schäden durch Sonnencreme gespaßt habe, der Groß der Sonnenprodukte unterläuft so strengen Tests, dass es unwahrscheinlich sein sollte, dass euer Produkt fehlerhaft ist. Benutzt also bitte Sonnencreme. Also solltet ihr bei den tollen Temperaturen auf den See steuern, dann nehmt nicht nur euren Bikini, eure Matratze, euer Buch und was weiß ich noch immer mit, sondern auch einen effektiven Sonnenschutz :) 

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